Fotografieren im herbstlichen Waldviertel

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Fotografieren im herbstlichen Waldviertel war das Thema beim Fotoworkshop mit Ewald Neffe und Herfried Marek. Schon vor einigen Monaten haben wir den Workshop für das letzte Oktober-Wochenende gebucht. Leider kann man passendes Fotowetter noch nicht mit bestellen. Während wir am Nationalfeiertag noch traumhaftes Herbstwetter hatten, war für das darauffolgende Wochenende Regen und Sturm angesagt. Na Bravo

 

 

Regen, Regen, Regen – beim Fotografieren?!?

 

Am Freitag – !unserem freien Tag! – läutete um 5:00 Uhr der Wecker. Um 9:00 Uhr war Treffpunkt beim Schrammelhof in Litschau. Ich muss gestehen, kurz habe ich überlegt anzurufen, um unsere Anreise auf den Abend zu verschieben. Aber gekniffen wird nicht! Also hieß es aufstehen, einpacken und los fahren.

Immerhin regnete es noch nicht. Während der Fahrt entlang der wunderschönen, dichten Nadelwälder im Waldviertel kam etwas Vorfreude auf. Und bei mir Kindheitserinnerungen. Mit meinen Eltern und Großeltern war ich oft hier. So manche Ferien habe ich im Waldviertel verbracht. Ob Schwammerl suchen oder „Heidelbeeren brocken“ – es war meistens spannend.

Pünktlich kamen wir im Schrammelhof an. Sehr freundlich wurden wir von der Hausherrin empfangen. Unsere Workshopleiter und die anderen TeilnehmerInnen saßen schon beim Frühstück. Ob wir auch gerne eines hätten, wurden wir gefragt. Sehr gerne – vor allem Kaffee!

Während wir beim Frühstück saßen, begann es zu regnen. Nein, es hat geschüttet! In der Hoffnung, dass sich das bessern würde, oder wir aus dem Auto fotografieren können, fuhren wir nach Tschechien. Zu Fischerseen mit herrlichen Fotomotiven. Es machte Spaß, den Teichen entlang zu fahren und die bunten Herbstfarben zu genießen. Weniger schön war der Regen – mit Fotografieren war leider nichts. Also fuhren wir zurück Richtung Österreich.

 

Herbst kreativ

 

Am Weg dahin fuhren wir durch einen dichten Nadelwald. Hier kam der Regen nicht richtig durch. Einige sehr motivierte Workshop-TeilnehmerInnen wagten sich tatsächlich raus. Kurz war ich im Wald, aber ehrlich: Es war nass, kalt und total ungemütlich. Und die Motive waren nicht so spannend, dass ich diese Qualen dafür ertragen hätte . Waldfotografie ist nicht ganz mein‘s.

Also zurück ins Auto. Ich nützte die Zeit für einen Blogartikel. Das hat was: Du sitzt im Auto, der Regen klopft auf‘s Dach, rundherum Natur und sonst nichts. So konzentriert und ungestört komme ich selten zum Schreiben.

 

Fotoworkshop Schlechtwetterprogramm: Unterwasserreich

Bald erkannte auch die Gruppe, dass es zu nass, zu kalt und ungemütlich ist. Also fuhren wir weiter Richtung Schrems. Ewald und Herfried hatten glücklicherweise einen Plan B für Schlechtwetter: Fotografieren im Naturpark in Schrems.

Schon beim Reinkommen macht das Unterwasserreich einen sehr freundlichen Eindruck.Obwohl es draußen grau in dunkelgrau war, wirkte der Eingangsbereich sehr hell. Neben der Aquarienwelt gibt es einen Außenbereich mit verschiedenen Wasserpflanzen. Der Höhepunkt ist die Fischotterfütterung, die täglich um 13:30 Uhr und um 16:30 Uhr stattfindet.

 

 

Bis dahin blieb uns genug Zeit für die verschiedenen Aquarien mit der einheimischen Fischwelt. Vom kleinsten Plankton über Libellenlarven, Teichkäfer und Frösche wird hier jedes Wasserlebewesen erklärt und teilweise abgebildet. Die Aquarienwelt ist sehr informativ gestaltet. Auch für Kinder ist ein Besuch des Unterwasserreichs ein spannendes Erlebnis. Mit einem Gewinnspiel macht ihnen das Lernen großen Spaß. In einem kleinen Labor wurden verschiedene Lebewesen unter dem Mikroskop gezeigt.

 

Unterhaltsame Raubtierfütterung

Die verbleibende Zeit bis zur Fischotterfütterung verbrachten wir bei Kaffee und Käsebrot. Anschließend teilten wir uns einen der berühmten Mohnzelten – Pflicht für jeden Mohnliebhaber.

Der Wettergott hatte Erbarmen mit uns und machte eine kurze Regenpause. So konnten wir die Fütterung der Fischotter ohne Regenschirm beobachten. Genau geht es um ein Pärchen – Luca & Laszlo. Beide wurden verletzt in der Natur gefunden und wieder gesund gepflegt. Fischotter, die mit Menschen gelebt haben, werden nicht mehr ausgesetzt. Deshalb wurde ihnen im Unterwasserreich ein schönes Paradies geschaffen. Mit automatischer Futterlieferung – Anderenfalls würden die Besucher die Fischotter nicht zu Gesicht bekommen. In freier Natur sind sie Jäger der Nacht. Dass sie keine Pflanzenfresser sind, erkennst du gut an ihrem Gebiss. So ein Fischkopf wird ohne große Mühe zerkleinert.

Die Frau mit den Fischen ist gut bekannt bei den beiden Fischliebhabern. Das Weibchen darf beim Betteln raufspringen. Das Männchen wird auf Distanz gehalten. Wenn es nicht schnell genug Nachschub bekommt, kann es leicht bissig werden.

Einige Zeit waren Fischotter vom Aussterben bedroht. Mittlerweile hat sich ihre Population erholt. In Niederösterreich ist sie schon so hoch, dass 40 Tiere zum Abschuss freigegeben wurden . Das ansässige Otterpärchen gehört nicht dazu.

In einem anderen Gehege gab es noch zwei fünf Monate alte Jungtiere. Die hatten natürlich auch Hunger und warteten sehnsüchtig auf die Fischfrau. Die Fische waren etwas kleiner, als die für die erwachsenen Tiere. Und sie durften die Fischfrau noch erobern. Dabei gingen sie sehr geschickt vor. Fischotter sind offensichtlich begabte Kletterer .

Kurz nachdem die Fischotterfütterung zu Ende war, begann es wieder zu schütten. Also wieder rein ins Unterwasserreich – da war es wenigstens schön warm. Und die Fotoausstellung hatten wir noch nicht gesehen. Dazwischen wurde geplaudert, gefachsimpelt und Kaffee getrunken.

 

 

Die Sonne kommt

Wir konnten es gar nicht glauben, als wir plötzlich ein Stück blauen Himmel sahen. Unbemerkt hat es aufgehört zu regnen. Aber jetzt! Das war unsere Chance, noch ein paar Herbstfotos zu schießen. Nur wenige Meter vom Unterwasserreich waren es zur Himmelsleiter. Ein Architekt hat diese aus Fichtenstämmen gebaut. Du kannst da hochgehen und dir den Wald von oben ansehen. Mir reichten ein paar Fotos, die Leiter kannte ich schon.

Wirklich gemütlich war es noch nicht geworden. Und nachdem wir schon in Schrems waren, wollte ich unbedingt noch zum ortsansässigen Schuhmacher. Von der Himmelsleiter gingen wir daher zurück zum Auto. Wir waren erst wenige Meter gefahren, als die Sonne plötzlich den Weg durch die Wolken fand. Ärgerlich. War wohl die Strafe dafür, dass wir den Workshop früher geschwänzt hatten . Schuhe haben wir auch keine gefunden. Na ja, dafür ging sich noch eine ½ Stunde mützeln aus, bevor wir uns zum Essen trafen.

Nur ca. 5 Minuten zu Fuss war es zum Restaurant Weber mit Seeblick. Abgesehen davon, dass unser Tisch im Raucherbereich war, obwohl eigentlich keiner von uns raucht, war das Lokal sehr nett. Die Speisekarte war überschaubar. Finde ich cool, so brauchte ich nicht lange nachdenken, was ich wohl essen könnte. Die Auswahl bei den vegetarischen Gerichten war überschaubar: gebackener Emmentaler oder Gemüselaibchen. Dafür standen mehrere einheimische Fische auf der Speisekarte. Die Lachsforelle kann ich euch empfehlen.

Vor, während und nach dem Essen wurde fleißig über‘s Fotografieren geplaudert. Die anderen Teilnehmer waren am späteren Nachmittag noch bei einem abgefischten Teich und konnten Reiher und Seeadler fotografieren. Hmm, dafür hätte ich eh nicht das passende Objektiv mit gehabt. Bei Erzählungen von Urlauben, Fotokarrieren und Diskussionen, ob man mit Fotografieren noch Geld verdienen kann, ging der Abend zu Ende.

 

 

 

Neuer Tag, neues Glück

Nach einer viel zu kurzen Nacht, in der ich wirklich gut geschlafen habe, trafen wir uns zwischen 7:00 und 7:30 Uhr beim Frühstück. Die Hausherrin war wieder fröhlich unterwegs und kochte uns frische Eier. Um 8:00 Uhr war Abfahrt. Zuerst zu ein paar Teichen, die uns unsere Wirtin empfohlen hat. Es regnete mittlerweile nicht mehr. Doch die Sonne versteckte sich hinter dicken Wolken und der Wind machte es um einige Grad kühler, als es war. Beim ersten Teich war es ganz nett. Mehr aber nicht.

Der zweite Teich wurde gerade abgelassen. Das war sehr interessant. Sämtliche Karpfen wurden aus dem Wasser gefischt und in Transportcontainer gefüllt. Unglaublich, wie viele Fische in so einem Teich leben. Die Karpfen hier sind zu klein und werden daher in einen anderen Teich übersiedelt, in dem sie noch ein Jahr leben dürfen. Ziemlich viele Leute sind für so eine Aktion nötig. Von groß bis klein waren alle vertreten. Eine Weile schauten wir zu, wie die armen Fische vom Netz in Körbe gefüllt, damit zum Container transportiert und dort hineingeschüttet wurden.

 

abgefischt

 

 

Fotoexperimente

Nachdem wir bei den österreichischen Teichen nicht sehr erfolgreich waren, fuhren wir wieder nach Tschechien zu den Seen, die uns gestern schon faszinierten. Ohne Regen konnten wir heute einige kreative Herbstfotos machen. Nur Vögel sahen wir keine, denen war es vermutlich zu windig.

Der Wind machte es mit der Zeit richtig ungemütlich. Obwohl ich angezogen war wie im Winter, war mir doch ziemlich kalt. Also wieder ins Auto zum Aufwärmen und Blogartikel über den Workshop schreiben.

Wir fuhren noch ein Stückchen den See entlang. Nachdem ich mich wieder etwas aufgewärmt hatte, experimentierte ich mit dem Fotoapparat weiter. Das Ergebnis waren ein paar Doppelbelichtungen mit interessanter Wirkung. Vor allem die Blätter mit der Rinde des Baumes im Hintergrund gefallen mir sehr gut. Ewald fand die Idee auch gut und er hat die Technik noch perfektioniert.

Mittlerweile war es schon nach Mittag. Wir entschieden uns, die geplante Fahrt zur Blockheide auf den nächsten Tag zu verschieben und in Tschechien zu bleiben. Die Landschaft ist sehr schön und die bunten Blätter sind ein interessanter Kontrast zum Wasser. Schade, dass es noch immer nicht wärmer ist.

Bevor es weiter ging, suchten wir uns ein Lokal zum Aufwärmen und Stärken. Wir hatten wirklich Glück. Wir fanden ein Lokal, das von Einheimischen sehr gut besucht war. Das Essen war köstlich und wir konnten mit Euro bezahlen.

 

 

Der beste Teil beim Fotoworkshop

Frisch gestärkt und aufgewärmt fotografierten wir noch ein bisschen weiter. In der Ferne konnten wir einige Reiher beobachten, die tapfer gegen den Wind kämpften. Als es auch Robert zu kalt war, machten wir uns auf den Weg zurück in unser Quartier. Gemeinsam fuhren wir zum Abendessen ins Restaurant Weber. Heute wurde allerdings nicht lange geplaudert, denn es wartete noch Arbeit auf uns: Bildbesprechung!

Jede/r Workshopteilnehmer/in suchte die fünf besten Fotos der letzten beiden Tage raus. Wer kein Notebook hatte, gab seine Speicherkarte Herfried oder Ewald und die beiden suchten die Top 5. Die Bilder wurden mit Beamer präsentiert und besprochen. Unglaublich spannend, wie viele verschiedene Fotos von den gleichen Locations gemacht wurden. Das ist für mich immer der Teil des Workshops, an dem ich am meisten lerne.

Die Zeitumstellung auf die Winterzeit schenkte uns eine zusätzliche Stunde Schlaf – herrlich! Nachdem für Sonntag Sturm bis zu 120 km/h angesagt war und die Sonne erst um die Mittagszeit die Regenwolken verschieben sollte, fuhren wir nach dem Frühstück nach Hause. Zuhause hatte es bereits mehrere Stromausfälle gegeben und da wollten wir doch lieber nach dem Rechten sehen. Später erfuhren wir, dass es erst sehr nass war. Ab Mittag wurden in der Blockheide viele stürmische Bilder vor blauem Himmel gemacht.

Trotz Regen und Kälte hatten wir zwei interessante und unterhaltsame Tage mit liebenswürdigen Fotografie-Begeisterten verbracht. Wir freuen uns schon auf eine Wiederholung – mal sehen, zu welchem Naturplätzchen uns Ewald und Herfried das nächste Mal entführen.

 

 

Foto-Tipps für dich

Ein Workshop mit Ewald Neffe und Herfried Marek fällt unter Geheimtipps. Von der Website abgesehen, meiden beide das Internet. Ewald verwendet auch sein Handy nur dann, wenn es unbedingt notwendig ist. Die Einladung zum Workshop kommt daher entweder telefonisch oder mit E-Mail. Beide haben mit ihren Fotos schon internationale Preise gewonnen. Und gemeinsam haben sie einige Bücher über Naturgebiete in Österreich publiziert. Ihr Erfolg ist ihnen nicht über den Kopf gewachsen und sie geben mit Freude ihr Wissen weiter. Wir sind immer wieder gerne mit den beiden Naturfotografen unterwegs. Jetzt fragst du dich bestimmt, wie kommt man in den erlesenen Kreis der WorkshopteilnehmerInnen. Wir haben Ewald und Herfried bei einem Fotoworkshop im Nationalpark Gesäuse kennen gelernt. Am besten schaust du dort vorbei, ob du noch einen Platz bekommst – das neue Programm wird meistens zur Photo & Adventure im November bekannt gegeben.

Im Workshop erhältst du auf dich abgestimmte Tipps. Ob Makro, Weitwinkel oder Tele – egal welche Marke – Ewald und Herfried zeigen dir, wie du deine Fotos verbesserst. Bei der gemeinsamen Bildbesprechung bekommst du Input zu deinen Bildern und kannst dich von den anderen Workshopteilnehmern inspirieren lassen.

 

Magst du noch mehr über Fotoworkshops erfahren? Kannst du mir andere Workshop-Anbieter empfehlen?

 

 

 

 


naturfreundin

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5 Antworten

  1. Cindy
    | Antworten

    Super schöne Bilder bzw Impressionen! Da ist doch das Wetter echt egal bei deinen Ergebnissen. LG, Cindy

  2. Sonja Jordan
    | Antworten

    Schöne Bilder hast du mitgebracht! Schade, dass ich diesmal nicht dabei sein konnte! Nächstes Mal ist jedoch wieder fix! 🙂

    • naturfreundin
      | Antworten

      Danke, Sonja! Finde ich auch schade, dass du nicht dabei warst. Nachdem das Wetter nicht so super war, habe ich eh Wiederholung beantragt :-). Mit besserem Wetter!

  3. Barbara
    | Antworten

    Ich bin mal wieder beeindruckt – wie kann man von so einem verregneten Ausflug so sagenhaft schöne Bilder mitbringen?

    • naturfreundin
      | Antworten

      Vielen Dank, liebe Barbara! Erfahrungsgemäß werden Fotos bei Schlechtwetter besser, weil die Farben intensiver sind. Trotzdem ist es mir lieber, wenn es vor allem nicht ganz so kalt ist ;-).

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